Übung 4
Ein Achtsamkeits-Haiku schreiben
Diese Übung schließt die Woche „Achtsames Gedichtschreiben“ mit einer sehr reduzierten Form ab.
Ein Haiku besteht nur aus drei Zeilen. Hierin liegt seine Kraft, denn es braucht nicht viel. Es hält lediglich einen Moment fest, so wie er ist. Beim Schreiben eines Haiku geht es darum, seine Umwelt genau wahrzunehmen und diesen mit wenigen Worten festzuhalten.
Vor dem Schreiben gönne dir einen Augenblick der Stille. Die folgende Achtsamkeitsübung unterstützt dich dabei.
| Kurze Achtsamkeitsübung – Atem und Körper bewusst wahrnehmen |
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| Suche dir einen ruhigen Ort, wo du dich bequem hinsetzen kannst. Vielleicht magst du die Augen schließen oder deinen Blick weich werden lassen.
Richte deine Aufmerksamkeit zunächst auf deinen Atem. Spüre, wie er einströmt und wieder ausfließt. Beobachte, wie sich dein Brustkorb oder dein Bauch hebt und senkt. Zähle drei ruhige Atemzüge, ohne sie zu verändern. Lasse danach deinen Atem in seinem natürlichen Rhythmus weiterfließen. Nun wandere mit deiner Aufmerksamkeit langsam durch deinen Körper. Spüre deine Füße auf dem Boden. Du brauchst nichts zu korrigieren. Nimm nur wahr. Bleibe noch einen Atemzug bei dir. Dann erweitere deine Aufmerksamkeit nach außen. Welche Geräusche sind jetzt da? Für einen Moment darf alles gleichzeitig da sein: Atem. Körper. Umgebung. |
Diese Achtsamkeitsübung kannst du immer dann nutzen, wenn du dich sammeln möchtest. Für ein Haiku ist sie besonders hilfreich, weil beide vom selben Ursprung leben: dem gegenwärtigen Moment.
Übung 4: Ein Haiku schreiben
Ein Haiku entsteht aus einem wachen Blick. Es hält fest, was jetzt da ist – klar und ohne Ausschmückung. So wie die Achtsamkeitsübung dich in deinen Atem und deinen Körper zurückführt, führt das Haiku dich zur Essenz eines Augenblicks.
Ein Haiku braucht nicht viel. In dem Fall bedeutet achtsam zu schreiben, es schlicht zu halten. Lass alles los und beginne mit einer offenen Haltung zu schreiben. Gib dem Moment in drei Zeilen Raum.
Beginnen wir nun mit der Übung.
Schritt 1: Den Augenblick erfassen
Werde für einen Moment still.
Atme ruhig ein und aus.
Richte deine Wahrnehmung auf einen einzigen Eindruck – etwas Kleines, das jetzt sichtbar oder hörbar ist.

Schritt 2: Wahrnehmung erfassen
Notiere in wenigen Worten, was gerade da ist.
Vielleicht beginnt es mit:
• Jetzt sehe ich …
• Jetzt höre ich …
• Jetzt spüre ich …
Es genügen einzelne Wörter oder kurze Wortgruppen.
Es geht lediglich um Aufmerksamkeit. Halte nur das fest, was in diesem Moment wirklich spürbar ist.
Schritt 3: Ein Haiku formulieren
Forme aus deinen Notizen nun ein Haiku. Nimm dir dafür Zeit und reduziere die Sprache auf das Wesentliche. Ein Haiku besteht aus drei Zeilen:
• erste Zeile: 5 Silben
• zweite Zeile: 7 Silben
• dritte Zeile: 5 Silben
Bleibe mit deiner Sprache nah an dem, was du wahrgenommen hast. Statt zu erklären oder zu kommentieren, versuche zu zeigen, was sich im Moment gezeigt hat.
Reime sind dabei nicht notwendig. Oft genügen wenige, klare Worte, um einen Augenblick in dieser Form festzuhalten.
Ziel der Übung
Diese Übung schult deine Wahrnehmung im Hier und Jetzt und zeigt, wie sich ein Moment mit wenigen Worten poetisch verdichten lässt. Das Haiku wirkt dabei wie eine kurze sprachliche Momentaufnahme.
Ist dir das vielleicht noch nicht so gut gelungen, wie du es dir gewünscht hast? Das macht nichts. Wiederhole es gern zu einem späteren Zeitpunkt. Hier ein kleiner Input für dich:
Beispiel-Haiku
Offenes Fenster (5 Silben)
ein leiser Wind im Vorhang (7 Silben)
Abendlicht schimmert (5 Silben)
Kurze Einordnung für dich:
Das Beispiel bleibt bewusst einfach. Es zeigt, wie eine unmittelbare Wahrnehmung in einer klaren Form festgehalten werden kann, ohne erklärt oder ausgeschmückt zu werden. Wenige Worte genügen, um Licht, Bewegung und Stimmung spürbar zu machen.
Fantastisch! Du hast die Woche „Achtsames Gedichtschreiben“ erfolgreich gemeistert. Deine ersten eigenen kleinen Gedichte sind geschrieben und nebenbei hast du deine Aufmerksamkeit geschult.
Ich hoffe, es hat dir gefallen, dich für ein paar Tage auf ein vielleicht neues Thema einzulassen. Oder du hattest bereits Erfahrungen und hast diese nun vertieft und eine kleine Auszeit mit Achtsamkeitsübungen genießen dürfen.
Wenn du zu einem späteren Zeitpunkt einzelne Übungen noch einmal lesen oder ausführen möchtest, findest du hier alle Links zu meiner Woche „Eine Woche achtsames Gedichtschreiben“:
Wie schreibe ich ein Gedicht
Eine Woche achtsames Gedichteschreiben
Schreibübung 1
Schreibübung 2
Schreibübung 3
Schreibübung 4
Bonus: Wie schreibe ich ein Liebesgedicht?
Oder lade dir hier mein Workbook als PDF zum Ausdrucken herunter, um die Woche „Achtsames Gedichtschreiben“ immer und immer wieder durchzuführen: Workbook Achtsames Gedichtschreiben
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