Wie wir mit Unsicherheit umgehen können

Und ein Gedicht von Barthold Brockes

Ungewissheit

Die momentane Lage in der Welt lässt viele von uns Unsicherheit spüren. Denn die Nachrichten wechseln rasch, die Entwicklungen sind schwer vorhersehbar, und nicht immer lässt sich klar einordnen, was das alles zu bedeuten hat.

Dieses Gefühl der Ungewissheit lässt viele schlecht schlafen und unruhig werden. Das ist verständlich. All diese Nachrichten beschäftigen uns insbesondere dann, wenn wir das Gefühl bekommen, unsere Existenz sei bedroht. Die Gedanken wandern immer wieder dorthin zurück und man sich fragt, wie sich alles weiterentwickeln wird.

Dazu kommt, dass vieles nicht in „unseren Händen liegt“. Wir können weder das große Ganze steuern noch jede Entwicklung beeinflussen.

Hier kann es sich lohnen, den Blick zu heben – weg von dem, was wir nicht ändern können, hin zu dem, was in unserem eigenen Alltag liegt. Das sind oft die kleinen Dinge im Alltag. Kürzlich stand ich in der Nähe einer kleinen Familie. Der Vater sprach leise mit seinem Kind und es lachte herzlich auf. Das machte mich unglaublich glücklich. Es kann auch ein Gespräch mit einem Menschen sein, das uns guttut oder ein kurzer Spaziergang, bei dem der Kopf etwas freier wird. Nichts davon löst die großen Fragen, aber es hilft, nicht dauerhaft in ihnen hängen zu bleiben.

Auch Zuversicht entsteht, weil wir uns bewusst machen, dass es neben all dem, was uns verunsichert, auch anderes gibt. Menschen, die füreinander da sind. Situationen, die tragen. Gerade jetzt kann es hilfreich sein, in Verbindung zu bleiben – nicht nur mit anderen, sondern auch mit sich selbst. Wahrzunehmen, was gerade ist, ohne es sofort bewerten zu müssen, und sich immer wieder kleine Momente zu schaffen, die etwas Ruhe hineinbringen.

Die Welt wird sich weiter verändern, so wie sie es immer getan hat. Aber wir können beeinflussen, wie wir damit umgehen, wie viel Raum wir der Unruhe geben und wie bewusst wir uns auch den Dingen zuwenden, die stabil sind.

Ungewißheit
von Barthold Hinrich Brockes (1680 – 1747)

In dieser hellen Finsternis,
auf welcher wir auf Erden stecken,
wird ein Vernünftiger gar leicht entdecken,
daß alles Wissen ungewiß.
Die Ungewißheit geht sogar so weit,
daß man,
mit Recht und Zuverläßigkeit,
daß alles ungewiß, gewiß kaum sagen kann.

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