Nelly Sachs

TEIL 7

In meiner Blogreihe „Deutsche Dichterinnen“ möchte ich Frauen vorstellen, deren Stimmen die deutschsprachige Lyrik auf besondere Weise geprägt haben. Eine dieser unverzichtbaren Stimmen ist Nelly Sachs (1891–1970).

Nelly Sachs wuchs in Berlin auf, bis ihr Leben durch Verfolgung und Terror des nationalsozialistischen Regimes bedroht wurde. Im Frühjahr 1940 gelang ihr gemeinsam mit ihrer Mutter die Flucht nach Stockholm. Diese Rettung verdankte sie der Fürsprache der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf, mit der sie bereits seit ihrer Jugend in Briefkontakt stand.

Im Exil begann das Gedichtwerk, das Nelly Sachs als „Dichterin jüdischen Schicksals“ weltberühmt machte. Unter dem Eindruck der unzähligen Todesnachrichten von Freunden und Verwandten wurde das Schreiben für sie zu einem Ausweg aus dem sprachlosen Entsetzen – zu einer Möglichkeit, Leid, Verlust und Erinnerung eine Stimme zu geben.

Neben Gedichten schrieb sie Mysterienspiele und szenische Dichtungen und machte sich auch als Übersetzerin schwedischer Lyrik einen Namen. Ihr Werk ist tief geprägt von altjüdischer Tradition und religiöser Mystik.

1966 erhielt Nelly Sachs gemeinsam mit dem israelischen Dichter Shmuel Yosef Agnon den Literaturnobelpreis. In der Reihe Deutsche Dichterinnen steht sie für eine Lyrik, die zeigt, wie Sprache selbst im Angesicht des Unfassbaren zu Trost, Erinnerung und Widerstand werden kann.

Ihr Gedicht „Einsamkeit“ hat mich sehr berührt und so möchte ich es hier vorstellen:

Einsamkeit

Einsamkeit lautlos samtener Acker
aus Stiefmutterveilchen
verlassen von rot und blau
violett die gehende Farbe
dein Weinen erschafft sie
aus dem zarten Erschrecken deiner Augen –

Quelle: Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis heute: Gedichte und Lebensläufe von Gisela Brinker-Gabler; Verlag: Anaconda

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