Rückblick auf das gelebte Leben
Dankbarkeit
Isolde Kurz
Isolde Kurz zählt zu den Dichterinnen, in deren Lyrik sich Lebenserfahrung, innere Reife und stille Versöhnung spiegeln. Ihr Gedicht „Purpurne Abendröte“ ist ein ruhiger, lichtdurchzogener Rückblick auf das gelebte Leben, frei von Bitterkeit und getragen von Dankbarkeit.
In warmen Bildern von Sonne, Meer und Abendlicht lässt Isolde Kurz Wünsche, Sorgen und vergangene Kämpfe hinter sich zurücktreten. Was einst bedrohlich erschien, verliert seine Macht, die Jahre verdichten sich zu einem einzigen Tag. Der Blick richtet sich nicht zurück in Klage, sondern nach vorn – mit Rosen in der Hand und einer stillen Bitte an die sinkende Sonne, noch einen Moment zu verweilen.
„Purpurne Abendröte“ ist ein Gedicht des Loslassens. Es zeigt Isolde Kurz als eine Dichterin, die das Ende nicht fürchtet, sondern als sanften Übergang mit Würde begreift.

Purpurne Abendröte
Purpurne Abendröte
Streut ihr Gold verschwendrisch umher,
Wünsche, Sorgen und Nöte
Sanken ins blaue Meer.
Hinter mir schwand in Frieden,
Was als Drache lauernd am Weg mir lag,
Alle Jahre, die schieden,
Scheinen mir nur Ein Tag.
Auf den Pfaden, den schattenlosen,
Über Steine kam ich und glühenden Sand,
Meines Lebens Rosen
Trage ich frisch in der Hand.
Weile noch, sinkende Sonne,
Die du Wunder auf Wunder vollbracht,
Deine süßeste Wonne
Gibst du vorm Tore der Nacht.
Quelle: Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis heute: Gedichte und Lebensläufe von Gisela Brinker-Gabler; Verlag: Anaconda
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