Goethes wohl berühmtestes Gedicht

„EIN GLEICHES“

Zur Erläuterung, Entstehung und dem Hintergrund

Am Abend des 6. September 1780 schrieb Goethe das Gedicht „Ein Gleiches“ mit Bleistift an die Bretterwand einer Jagdhütte. Diese kleine Hütte befand sich auf dem Kickelhahn (Goethe: „Gickelhahn“), einem Berg bei Ilmenau im Thüringer Wald. Die Überschrift „Ein Gleiches“ mutet missverständlich an, beruht jedoch auf der von Goethe 1815 vorgenommenen Einordnung dieses Naturgedichts in seine Werkausgabe. Dort reihte er es nach dem Gedicht „Wandrers Nachtlied“ ein. So bedeutet „Ein Gleiches“: ein Gedicht des gleichen Themas – ein weiteres „Wandrers Nachtlied“.

Ein Gleiches
(1780)

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Goethe war häufig dienstlich von Weimar aus unterwegs und kannte die Gegend um Ilmenau daher gut. Bei seinen häufigen Spaziergängen schrieb er beide Gedichte eher beiläufig.

Wandrers Nachtlied
(1776)

Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!