Johann Wolfgang von Goethe
DIE GOLDNEN STERNLEIN
Der Mond ist aufgegangen
„Der Mond ist aufgegangen
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar“.
Kommt Dir das bekannt vor? Bestimmt! Das ist doch das Kinderlied, welches vor dem Schlafengehen gern gesungen wird.
Ist das nicht schön? Vielleicht. Aber vor allem ist es tröstlich und friedlich. Das „Abendlied“ von Matthias Claudius kennt, hört und singt man bis heute. Es soll um 1778 geschrieben worden und bis heute rund 70-mal vertont worden sein.

Ein Gedicht wird zum Lied
Das „Abendlied“ hat sieben Strophen und zeichnet mit seinen einfachen, aber eindringlichen Worten eine ruhige Abendstimmung. Matthias Claudius beschreibt den aufgehenden Mond, die schlafende Natur und lenkt dann über auf den Menschen und seine Vergänglichkeit.
Das Gedicht wurde vielfach vertont. Seine bekannteste Melodie stammt von Johann Abraham Peter Schulz. Gerade durch die Musik ist das Gedicht vielen Menschen vertraut, und es wird gern als Abendlied oder als Trostlied in schwierigen Zeiten gesungen.
Nun denn: Eine geruhsame Nacht. Egal, was war und ist, findet Ruhe!
Abendlied
von Johann Wolfgang von Goethe
Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.
Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.
Seht ihr den Mond dort stehen? –
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.
Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.
Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!
Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!
So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!