Teil 12

Zusammengesetzte Wörter

Wortgiganten

In meinem Teil 12 meiner Reihe „Deutsche Sprache – Schöne Sprache“ geht es heute um zusammengesetzte Wörter. Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän ist da nur der berühmte Eisberg der Wortgiganten.

Aber was steckt hinter dieser erstaunlichen Fähigkeit der deutschen Sprache, Dinge so präzise, so spielerisch und oft auch so humorvoll zusammenzusetzen?

Zusammengesetzte Wörter – was ist das überhaupt?

Ein zusammengesetztes Wort (auch Kompositum genannt) entsteht, wenn zwei oder mehr Wörter zu einem neuen verschmelzen.

Aus Schnee und Mann wird der Schneemann.
Aus Hand und Tuch das Handtuch.
Und aus Zeit, Schrift und Steller der Zeitschriftensteller – nun ja, vielleicht.

Im Deutschen ist diese Konstruktion nicht nur erlaubt, sondern geradezu erwünscht. Sie folgt klaren grammatischen Regeln und lässt viel Raum für Kreativität.

Warum liebt das Deutsche diese Wortgebilde so sehr?

Dafür gibt es mehrere gute Gründe:

Präzision:
Statt mehrere Wörter aneinanderzureihen, fasst das Deutsche sie in einem einzigen Begriff zusammen.
Autobahnausfahrt ist kürzer (und klarer) als Ausfahrt von der Autobahn.

Strukturfreude:
Die deutsche Sprache ist stark strukturiert. Sie liebt es, Dinge einzuordnen, zu definieren, einzugrenzen. Komposita helfen dabei.

Kreative Freiheit:
Wortzusammensetzungen können auch spontan entstehen. Wer kennt nicht das berühmte Fingerspitzengefühl?

Klarheit:
In vielen anderen Sprachen bleibt oft unklar, ob sich ein Wort auf das vorherige oder das nächste bezieht. Im Deutschen gibt die Zusammensetzung sofort eine eindeutige Richtung vor.

Ein kurzer Ausflug in andere Sprachen

Auch andere Sprachen kennen zusammengesetzte Wörter. Im Englischen etwa: bookstore, airport, sunshine.

Doch dort ist die Schreibweise viel freier: Manchmal werden die Wörter zusammengeschrieben, manchmal durch einen Bindestrich verbunden (mother-in-law) oder sogar getrennt (ice cream).

Das Deutsche hingegen ist in dieser Hinsicht kompromisslos eindeutig:
Wenn zwei Begriffe inhaltlich zusammengehören, werden sie auch zusammengeschrieben – ohne Bindestrich, ohne Leerzeichen. So entsteht jene charakteristische Sprachmelodie langer Wortketten, die das Deutsche so unverwechselbar macht.

Sprache im Wandel: Wenn Komposita ins Wanken geraten

In der heutigen Zeit erleben wir eine gewisse Rückbildung der Komposita, z. B. durch die zunehmende Nutzung des Englischen und durch digitale Kommunikation, die Kürze und Schnelligkeit bevorzugt.

So wird aus dem Handyvertrag schnell „der Vertrag fürs Phone“.

Oder aus der Datensicherheit das englisch eingefärbte „Data-security“.

Aber ganz verschwinden werden sie wohl nie: die starken, schlichten, bildhaften Wortgebilde des Deutschen.

Wusstest Du schon?
Das längste offiziell anerkannte deutsche Wort war:
Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgaben-übertragungsgesetz.

Es bezog sich auf ein Gesetz zur Übertragung der Aufgaben für die Überwachung der Rinderkennzeichnung und Rindfleischetikettierung. Im Jahr 2000 trat es in Kraft und wurde 2013 in Mecklenburg-Vorpommern abgeschafft.

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