Gedanken zu seinem Gedicht

„SCHLAF“

Theodor Fontane verstand es, die großen Themen des Lebens in schlichte, einfache Worte zu fassen. In seinem Gedicht Schlaf (entstanden 1895) schildert er das wohl jedem bekannte Gefühl: das Wachliegen in der Nacht, wenn der ersehnte Schlaf sich einfach nicht einstellen will.

„Nun trifft es mich, wie’s jeden traf, / Ich liege wach, es meidet mich der Schlaf“ – mit diesen beiden Versen holt uns Fontane direkt in eine vertraute Erfahrung. Schlaflosigkeit ist kein Einzelschicksal, sondern ein Teil menschlicher Existenz.

Hoffnung im nächtlichen Wachen

Und doch begegnet er dem Schlaf nicht mit Verzweiflung, sondern mit Hoffnung. Fast zärtlich wird der Schlaf personifiziert: Er flüstert, er sammelt, er verspricht. Das Bild, dass die verlorene Ruhe nicht verloren sei, sondern aufbewahrt und später in Fülle zurückgegeben werde, schenkt Trost.

Mich berührt besonders dieser versöhnliche Ton. Wer kennt es nicht, die Unruhe der Nacht, wenn uns Gedanken, Sorgen oder das Herumwälzen quälen? Fontane verwandelt diesen Moment Zuversicht: Die Nachtruhe geht nicht verloren, sie wartet auf uns.

Schlaf
von Theodor Fontane

Nun trifft es mich, wie’s jeden traf,
Ich liege wach, es meidet mich der Schlaf,
Nur im Vorbeigehn flüstert er mir zu:
»Sei nicht in Sorg, ich sammle deine Ruh,
Und tret ich ehstens wieder in dein Haus,
So zahl ich alles dir auf einmal aus.«

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