Die Freitheit den Mund aufzumachen
GEDICHTE
Eigentlich keine Art
Ein paar wenige Zeilen genügen, um uns auf etwas aufmerksam zu machen. Etwas, das wir im Alltag leicht übersehen hätten. Erich Fried gelingt das mit seinem Gedicht „Eigentlich keine Art“ auf beeindruckende Weise.
Er spielt mit der Bedeutung des Wortes „eigenartig“ und zeigt, wie Sprache uns unbewusst beeinflusst. Denn „eigenartig“ klingt schnell nach fremd, seltsam oder unpassend, obwohl es doch eigentlich nur meint, dass jemand seine eigene Art hat. Eine kleine Erinnerung daran, dass das Eigene, das Besondere, oft zu Unrecht als „anders“ abgestempelt wird.
Erich Fried weist uns sacht darauf hin, dass „Eigenartige“ nicht zu fürchten, sondern zu schätzen. Eine eigene Art zu haben, heißt: nicht austauschbar sein, sich treu bleiben, etwas in die Welt bringen, das sonst niemand geben kann. Gerade in unserer jetzigen Zeit, in denen Anpassung oft erwartet wird, ist diese Botschaft aktueller denn je.
Vielleicht dürfen wir das nächste Mal, wenn wir jemanden als „eigenartig“ bezeichnen, kurz innehalten und das Wort mit Wärme und Anerkennung füllen. Denn was wäre die Welt ohne Menschen, die ihre eigene Art leben?

Eigentlich keine Art
von Erich Fried
Eigenartig
wie das Wort eigenartig
es fast als fremdartig hinstellt
eine eigene Art zu haben
Erschienen in: „Die Freiheit den Mund aufzumachen – Gedichte“ (Fischer Verlag)
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