The road not taken

Den eigenen Weg wählen

Wer war Robert Frost?

Robert Frost (1874–1963) war ein bedeutender amerikanischer Dichter. Er wurde bekannt durch seine naturverbundenen Gedichte, die oft tiefere menschliche Themen und Emotionen reflektieren.

Geboren in San Francisco, zog er später nach Neuengland, was seine Dichtung stark beeinflusste. Frosts Werke wie „The Road Not Taken“, „Stopping by Woods on a Snowy Evening“ und „Mending Wall“ zeichnen sich durch klare, einfache Sprache und eine tiefe Auseinandersetzung mit den existenziellen Fragen des Lebens aus.

Pulitzer-Preis

Frost gewann vier Pulitzer-Preise und gilt als einer der wichtigsten Lyriker des 20. Jahrhunderts. Seine Poesie verbindet oft die Schönheit der Natur mit der Komplexität der menschlichen Seele.

Sein bekanntestes Gedicht

Das Gedicht “The road not taken” ist sein bekanntestes Gedicht. Es wird oft im englischsprachigen Raum als Abschiedsgedicht verstanden. Zum Beispiel werden diese Zeilen bei Abschlusszeremonien an der Highschool oder an der Uni vorgelesen und sollen junge Menschen ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen.

The road not taken
By Robert Frost

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I –
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

Deutsche Übersetzung

Diese Übersetzung von Paul Celan gefällt mir sehr. Das Gedicht wurde ins Deutsche übersetzt und nachgedichtet. Dabei wurde auf Stimmung und Rhythmus geachtet, so dass der Reim dabei eher nebensächlich wurde.

Der unbegangene Weg
Übersetzung/Nachdichtung von Paul Celan

In einem gelben Wald, da lief die Straße auseinander,
und ich, betrübt, daß ich, ein Wandrer bleibend, nicht
die beiden Wege gehen konnte, stand
und sah dem einen nach so weit es ging:
bis dorthin, wo er sich im Unterholz verlor.

Und schlug den andern ein, nicht minder schön als jener,
und schritt damit auf dem vielleicht, der höher galt,
denn er war grasig und er wollt begangen sein,
obgleich, was dies betraf, die dort zu gehen pflegten,
sie beide, den und jenen, gleich begangen hatten.

Und beide lagen sie an jenem Morgen gleicherweise
voll Laubes, das kein Schritt noch schwarzgetreten hatte.
Oh, für ein andermal hob ich mir jenen ersten auf!
Doch wissend, wie’s mit Wegen ist, wie Weg zu Weg führt,
erschien mir zweifelhaft, daß ich je wiederkommen würde.

Dies alles sage ich, mit einem Ach darin, dereinst
und irgendwo nach Jahr und Jahr und Jahr:
Im Wald, da war ein Weg, der Weg lief auseinander,
und ich – ich schlug den einen ein, den weniger begangnen,
und dieses war der ganze Unterschied.

Eine etwas andere und genauso interessante Übersetzung stammt von Eric Boerner. Wie auch bei der Nachdichtung von Paul Celan opfert Boerner hier den Reim. Fragwürdig bleibt jedoch die Übersetzung des Titels. Denn anders als im Original ist der Weg gewählt und nicht verpasst. Aber das obliegt wohl der eigenen Interpretation..

Die verpasste Straße
Übersetzung/Nachdichtung Eric Boerner

Zwei Straßen gingen ab im gelben Wald,
Und leider konnte ich nicht beide reisen,
Da ich nur einer war; ich stand noch lang
Und sah noch nach, so weit es ging, der einen
Bis sie im Unterholz verschwand;

Und nahm die andre, grad so schön gelegen,
Die vielleicht einen bessern Weg versprach,
Denn grasbewachsen kam sie mir entgegen;
Jedoch, so weit es den Verkehr betraf,
So schienen beide gleichsam ausgetreten,

An jenem Morgen lagen beide da
Mit frischen Blättern, noch nicht schwarz getreten.
Hob mir die eine auf für’n andern Tag!
Doch wusste ich, wie’s meist so geht mit Wegen,
Ob ich je wiederkäm, war zweifelhaft.

Es könnte sein, dass ich dies seufzend sag,
Wenn Jahre und Jahrzehnte fortgeschritten:
Zwei Straßen gingen ab im Wald, und da –
Wählt‘ ich jene, die nicht oft beschritten,
Und das hat allen Unterschied gemacht.